Die Branchenentwicklung

Der Fachver­band Bio­gas e.V. hat auf sein­er heuti­gen Pressekon­ferenz im Rah­men der Agritech­ni­ca die aktuellen Zahlen vorgestellt. Wie zu erwarten war, ist das Jahr 2011 für die Bio­gas­branche erneut sehr pos­i­tiv ver­laufen: Mehr als 1.100 Bio­gasan­la­gen sind neu ans Netz gegan­gen, so dass bis Jahre­sende rund 7.100 Anla­gen in Betrieb sein wer­den. Damit erhöht sich die instal­lierte elek­trische Gesamtleis­tung aller deutschen Bio­gasan­la­gen um rund 490 auf 2.780 Megawatt. Daraus wer­den pro Jahr etwa 18 Mil­liar­den Kilo­wattstun­den Strom (18 TWh) erzeugt, wom­it mehr als fünf Mil­lio­nen Haushalte oder knapp 13 Prozent aller Pri­vathaushalte in Deutsch­land mit Strom ver­sorgt wer­den. Mehr als 45.000 Men­schen beschäftigt die Bio­gas­branche – zumeist im ländlichen Raum. Das sei eine sehr erfreuliche Entwick­lung; man dürfe allerd­ings nicht überse­hen, dass die große Zahl an Neuan­la­gen auch darauf zurück­zuführen sei, dass viele Betreiber unbe­d­ingt bis Jahre­sende ans Netz wollen, um noch in den Gel­tungs­bere­ich des Erneuer­bare- Energien-Gesetz (EEG) 2009 zu gelan­gen.

Dem zum 1. Jan­u­ar 2012 in Kraft tre­tenden nov­el­lierten EEG sieht die Branche skep­tisch ent­ge­gen: Hen­drik Beck­er, Sprech­er des Fir­men­beirats im Fachver­band Bio­gas:

Wir müssen uns auf die neue Geset­zes­lage ein­stellen und das Beste daraus machen. Es gilt, die Her­aus­forderung der Min­dest­wär­menutzung von 60 Prozent und des max­i­malen Maisan­teils am Sub­strat­in­put von eben­falls 60 Prozent zu meis­tern. Wir erwarten einen deut­lichen Rück­gang beim Anla­gen-Neubau, da sich die aus dem neuen Gesetz ergebe­nen Chan­cen, wie die Mark­t­prämie oder die 75 kW-Klasse, erst noch als Konzepte und Pro­duk­te entwick­eln müssen. Einen Teil der Auf­trag­sein­bußen wer­den die Fir­men durch Repow­er­ing beste­hen­der Anla­gen und den Aus­bau des Export­geschäftes auf­fan­gen kön­nen”

Speicherfähigkeit von Biogas als Alleinstellungsmerkmal unter den Erneuerbaren

Über das Jahr 2012 hin­aus sieht der Branchen­ver­band eine gute Chance für die Bio­gastech­nolo­gie, die Energiewende durch ihre einzi­gar­tige Spe­icher­fähigkeit zu unter­stützen. Denn let­z­tendlich werde Bio­gas als bedarf­s­gerecht ein­set­zbar­erer Energi­eträger die schwank­ende Stromerzeu­gung aus Wind- und Solaran­la­gen aus­gle­ichen. Vor allem die Ein­speisung von Bio­methan in das Erdgas­netz wird in Zukun­ft eine größere Rolle spie­len. Das Gas­netz ist nicht nur ein zweites Energi­etrans­port­netz, es ist zudem der derzeit einzige bere­its vorhan­dene Langzeit­spe­ich­er für Erneuer­bare Energien. 2011 wer­den kaum mehr als 60 Bio­gasan­la­gen ihr Bio­methan direkt ins Gas­netz ein­speisen. Um diesen Anteil zu erhöhen und die Ein­speisung von Bio­methan auch durch land­wirtschaftliche und mit­tel­ständis­che Akteure anzukurbeln, fordert der Fachver­band Bio­gas e.V. ein Erneuer­bares Gas Ein­speise- und Spe­icherge­setz (EEGasG). Neben Bio­methan bezieht das Konzept die Ein­speisung von Wasser­stoff und Methan aus der Wind­stromelek­trol­yse ein. Dadurch könne das Strom­netz ent­lastet und die Poten­ziale des Erdgas­net­zes als Trans­port­sys­tem und riesiger Spe­ich­er für Erneuer­bare Energien erschlossen wer­den. Das EEGasG würde zur Lösung der durch die Energiewende aufge­wor­fe­nen Fra­gen des Net­zaus­baus und der Energiespe­icherung einen wichti­gen Beitrag leis­ten.

Man muß die Details des Entwurfs abwarten, aber der Fokus auf die Spe­icherbarkeit von Bio­gas ist meines Eracht­ens abso­lut richtig. Die im Ver­hält­nis zur Winden­ergie unter­legene CO2-Effizienz von Bio­gas kann kom­pen­siert wer­den, ja Bio­gas zu einem unverzicht­baren Baustein eines inte­gri­erten Erneuer­baren Energiekonzepts machen (früher hätte man “Energie-Mix” gesagt, aber das reicht bei Weit­em nicht), indem es die Prob­leme bei der Anpas­sung von Strompro­duk­tion und Stromver­brauch lösen hil­ft.

Dezentrale Biogas-Erzeugung, dezentrale Stromproduktion mit KWK

Die Ein­speisung von Bio-Methan in das Gas­netz paßt auch her­vor­ra­gend zu neuen Ideen der dezen­tralen gekop­pel­ten Strom- und Wärmeerzeu­gung in kle­in­sten Ein­heit­en, beispiel­sweise im Heizungskeller von Wohn­häusern, wie die Ham­burg­er Fir­ma Licht­blick sie mit Ihrem Konzept ZuhauseKraftwerk entwick­elt. Mit einem VW-Gas­mo­tor als BHKW, einem Puffer­spe­ich­er für Wärme und der Inte­gra­tion in ein “intel­li­gentes” Net­zw­erk, das lokalen Wärmebe­darf und net­zweit­en Strombe­darf koor­diniert, lassen sich einige sprich­wörtliche Fliegen mit ein­er Klappe schla­gen.

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  • Solarstrom Simon

    Die Gas Spe­icherung und die Ein­speisung ins Erdgas­netz sind der bessere Weg als alles vor Ort in Strom Umzuwan­deln. Wohin son­st mit der Über­schüs­si­gen Wärme? Kann diese Effizient genutzt wer­den? Neu bess­er gesagt, aktuell kann ich Regel — Energie bere­it­stellen und bekomme für die Netz — Sta­bil­ität Geld. Denn die EVU brauchen schnelle Leis­tungsre­ser­ven. Und mit vie­len kleinen dezen­tralen Gülle Bio­gasan­la­gen erre­iche ich mehr als mit ein­er ein Mega Watt Nawaro Anlage.

    mit son­ni­gen Grüßen Solarstrom Simon