Anläßlich des Erntedankfests hat Ilse Aigner in einem Interview mit B. Z. – News aus Berlin ein Thema aufgegriffen, das in den letzten Wochen bereits durch die Presse gegeistert ist, nämlich das Ausmaß, in dem Lebensmittel in der Mülltonne landen. Die sparsamen Deutschen werfen jährlich bis zu 20 Mio. t Essen weg, so die Landwirtschaftsministerin. Sie habe eine Studie in Auftrag gegeben, um erstmals herauszufinden, wie hoch der Verlust tatsächlich sei und wie Verbraucher, Produzenten und Handel gegensteuern könnten.

Aigner legt den Fokus auf die Verschwendung beim Verbraucher, jedoch sind auch beim Erzeuger und beim Durchlaufen der Handelsstufen vermeidbare Abgänge zu beklagen. So wird Gemüse, nach Größe, Form oder Aussehen als nicht verkaufsfähig eingestuft, bereits vom Landwirt aussortiert – teilweise die Hälfte der Ernte. Bestenfalls gelangt der Ausschuß in den Futtertrog, oft wird er aber einfach wieder auf den Acker geworfen. Damit geht neben dem spezifischen Wert für die menschliche Ernährung nicht nur der Futterwert verloren, sondern auch der energetische Gehalt verpufft ungenutzt. Lediglich der Düngewert wird erhalten.

Der Groß- und Einzelhandel, dessen Normen für Handelsqualität an äußeren Qualitätskriterien ausgerichtet sind (auch Brüssel normiert natürlich fleißig), läßt viele Partien wieder zum Erzeuger zurückgehen, obwohl es sich aus Sicht der Ernährung um einwandtfreie Produkte handelt. Die Kunden lassen optisch nicht hundertprozentige Ware links liegen. Der Handel hält stets das gesamte Sortiment vor und entsorgt lieber, bevor der Kunden nicht das bekommt, was auf dem Einkaufszettel steht, unabhängig von der Saison. Dazu kommen noch Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum, und dieses Spiel wiederholt sich dann bei den verarbeiteten Produkten.

Bislang fallen laut BMELV etwa 25 Mio. t Bioabfälle und 2 Mio. t Speisereste jährlich an. Zusätzliche 20 Mio. t Speisereste würden genug Futter für über 1.000 Biogasanlagen wie der reinen Speisereste-Anlage in Bebra bereitstellen, und damit könnten etwa 900 MW Nennleistung Strom und 1 TW Wärme produziert werden. Diese Kapazität entspricht der eines Kernkraftwerks wie Philippsburg oder Isar.

Ein anderer aufschlußreicher Vergleich: um die Energie von 20 Mio. t Speiseabfälle in Form von Silomais zu erzeugen, müßten grob gerechnet 250.000 ha Mais bestellt werden. Im Jahr 2010 wurde laut FNR auf rund 500.000 ha Silomais zur Biogaserzeugung angebaut – die Hälfte davon wäre entbehrlich gewesen, würde der gesamte Anfall von Speiseresten aus Haushalten energetisch verwertet.

Das sind natürlich rein akademische Spielereien. Landwirtschaftliche, mit Nachwachsenden Rohstoffen und tierischen Exkrementen betriebene Biogasanlagen sind technisch, personell und rechtlich nicht auf die Verarbeitung von Speiseresten vorbereitet, und die Ausbringung der Gärreste auf die Äcker, die auf landwirtschaftlichen Anlagen die Rückführung der Nährstoffe und die Humusbildung gewährleistet, käme zum Erliegen durch die möglicherweise kontaminierten Reststoffe.

Am besten ist es sowieso, wenn die Speiseabfälle gar nicht erst anfallen. Aber das ist ein anderes Thema.

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