Als Dienstleistungs-Anbieter muß ich natürlich sagen: egal wann, das lohnt sich immer! Wann immer eines oder mehrere der im Artikel Warum sollten Agrar-Unternehmer bloggen? aufgelisteten Ziele für den Unternehmer von Bedeutung sind, leistet ein Internet-Auftritt und besonders ein Blog einen wichtigen Beitrag zur Erreichung dieser Ziele bei verhältnismäßig geringen Kosten.

Besonders wichtig ist ein Blog jedoch, wenn eine Investition geplant wird, die auch Auswirkungen außerhalb des Betriebs hat, etwa durch Geruchs- oder Lärmemission, Veränderung des Landschafts- oder Dorfbildes, Sichtverstellung durch Bauwerke oder der Einstieg in Betriebszweige, die in der Öffentlichkeit teilweise auf Kritik stoßen wie etwa Hähnchenmast, Biogas oder Windkraft.

Gang an die Öffentlichkeit:

nicht erst mit Baubeginn, sondern mit Beginn der konkreten Planung!

Generell halte ich nicht viel von der Strategie, Pläne möglichst lange geheim zu halten, um so möglichen Gegnern die Zeit zum Reagieren zu verknappen oder sie gar vor vollendete Tatsachen zu stellen. Es birgt zahlreiche Risiken, wenn Betroffene sich hintergangen fühlen, weil sie nicht rechtzeitig informiert und gehört wurden:

  • Es bringt sie gegen die unternehmerischen Pläne in Stellung und provoziert wohlmöglich viel intensiveren Widerstand, als hätte man frühzeitig Transparenz geschaffen. Man wird das Ergreifen von Rechtsmitteln durch Anwohner oder die Grundung einer Bürgerinitiative nicht immer durch Transparenz und rechtzeitige Einbindung verhindern können, aber möglich ist es.
  • Auch wenn Anwohner, Lokalpolitiker etc. die Umsetzung der unternehmerischen Pläne am Ende nicht verhindern können, so können sie sie doch oft verzögern, besonders wenn Bebauungsplanänderungen mit Öffentlichkeitsbeteiligung und behördliche Genehmigungen vonnöten sind.
  • Die Stimmung in der Nachbarschaft kann sich abkühlen bis hin zu Zerwürfnissen mit Freunden und Verwandten, was durch zeitige Information vermieden oder wenigstens abgemildert hätte werden können.
  • Der Super-GAU ist da, wenn eine Anwohner-Klage, eine Bürgerinitiative oder eine im Zusammenhang mit schlechter Presse stehende verweigerte Genehmigung die unternehmerischen Pläne stoppt zu einem Zeitpunkt, an dem schon Investitionen getätigt wurden. Das betrifft nicht nur Abriß und Rückbau. Auch vor Baubeginn können schon erhebliche Kosten angefallen sein.

Der optimale Zeitpunkt, an dem man mit seinen Plänen an die Öffentlichkeit gehen sollte, ist erreicht, wenn man sich sicher ist, daß man tätig werden möchte, auch wenn noch viele Fragen offen sind. Nur dann, wenn noch Fragen offen sind, kann man noch reagieren! Man ist spät dran, wenn ein Darlehensvertrag unterschrieben, eine verbindliche Bestellung getätigt, ein Grundstück gekauft ist, und noch niemand etwas davon weiß.

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