Heute steht auf der Titelseite von spiegel.de: Deutschland macht Wind – Streit über grüne Energie. In diesem ausgezeichneten Artikel geht es um die Ankündigungen der Regierung, aus der Atomenergie so schnell wie möglich raus und in Erneuerbare Energien so schnell wie möglich rein zu gelangen, und um die Konflikte, die dieser Weg wohl mit sich bringen wird. Es geht in dem Artikel zwar vorwiegend um Windkraft, aber die Konfliktpunkte gleichen natürlich denen im Biogas-Bereich. Da dies genau das Problemfeld ist, auf das agroblogger.de zielt, ein paar relevante Zitate:

Das Raus-Rein-Dekret […] wird einen gesellschaftlichen Großkonflikt heraufbeschwören – und die deutsche Kampfzone Energiepolitik mitnichten befrieden.

Ganz zentral, schreiben Brüderle und Röttgen, sei eine „gemeinsame Offensive von Bund und Ländern zur Ausweisung von neuen Eignungsflächen für Windkraftanlagen.“Planungsrechtliche Hemmnisse wie Abstands- und Höhenbegrenzungen der Windmühlen? „Werden wir beseitigen.“

Fakt ist: Mehr als achtzig Prozent der Deutschen wollen raus aus der Atomenergie. Aber ebenso klar ist: Wenn die in Höhe und Abstand entgrenzte Windmühle neben dem Einfamilienhaus rauscht, ist der Wille zur Energiewende weg und die Bürgerinitiative da. Dann regiert nur noch ein Prinzip: Heiliger Sankt Florian, verschone mein Haus, zünde andere an. „NIMBY“, sagt man im Englischen: „Not in my backyard“ – nicht in meinem Hinterhof.

Müssen die Deutschen das AKW-Aus mit einer Verschandelung der Landschaft bezahlen?

Das Bundesamt für Naturschutz warnt bereits, der Erhalt von Landschaft und Artenvielfalt gerate gegenüber dem Ausbau erneuerbarer Energien ins Hintertreffen. Die Abkehr von der Atomkraft diene derzeit als Totschlagargument.

Die deutschen Wind-Nimbys jedenfalls haben sich bestens organisiert. Auf der Internetseite windkraftgegner.de sind über 70 Anti-Initiativen aufgelistet.

(Anm. FF: dasselbe gilt auch für die Gegner von Biogasanlagen. Siehe etwa http://www.initiativen-mit-weitblick.de/, wo sich fast 40 Bürgerinitiativen gegen Biogasanlagen zusammengeschlossen haben)

Die NIMBY-Wut über die große Energiewende wird nicht nur Merkel und Co. treffen. Es sind insbesondere die Grünen, die sich schon jetzt auf harte Konflikte gefasst machen können: Sie waren und sind für einen möglichst raschen Atomausstieg – aber beim Widerstand gegen das, was alternativ vor Ort gebaut werden muss, sind viele Grüne ebenfalls vorne dabei.

Wie alle Katastrophen wird auch der Fukushima-Schock bald durch andere mediale Aufreger von den Titelseiten und aus den Köpfen verdrängt werden. Was bleiben wird, ist der Atomausstieg und der massive Einstieg in Erneuerbare Energien. In der momentanen Phase einer allgemeinen Pro-Erneuerbare-Energien-Stimmung, der sich auch die NIMBYs nicht entziehen können, hat es den Biogas-Gegnern ein wenig die Sprache verschlagen. Aber es wird nicht mehr lange dauern, bis sie die Sprache wiederfinden. Die steigende Zahl von betroffenen Anwohnern, die mit dem nun noch beschleunigten Ausbau einhergehen muß, wird die Intensität der Auseinandersetzung auf noch ungeahnte Höhen treiben.

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